Weißer Heizkörper an einer hellen Backsteinwand

Heizung entlüften: Schritt für Schritt, wenn der Heizkörper gluckert

Es ist kurz nach elf, die Wohnung ist still, und unter dem Fenster gluckert der Heizkörper wie ein kleiner Bach, der sich verlaufen hat. Fast immer steckt Luft dahinter, und Heizung entlüften ist dann die Lösung, die pro Heizkörper nur ein paar Minuten dauert.

Es gehört zu den kleinsten Aufgaben im Heimwerken, und trotzdem schieben wir sie gern vor uns her (ich jedenfalls, jedes Jahr wieder). Hier findest du das Werkzeug, die Reihenfolge, den Blick auf den Wasserdruck und das, was du tun kannst, wenn der Heizkörper danach immer noch kalt bleibt.

Heizung gluckert oder wird nicht warm: Ist es Luft?

Wenn die Heizung gluckert, rauscht oder leise plätschert, hat sich sehr wahrscheinlich Luft im Heizkörper gesammelt. Luft steigt nach oben und bildet dort ein Polster, durch das kein warmes Wasser mehr fließt. Das typische Bild: unten warm, oben kalt. Leg mal die flache Hand oben auf die Rippen, dann unten. Den Unterschied spürst du sofort.

Auch wenn die Heizung nicht warm wird, obwohl das Thermostat auf 4 oder 5 steht, ist Luft ein häufiger Grund. Nicht der einzige, leider. Ein klemmender Ventilstift oder zu wenig Druck in der Anlage machen ganz ähnliche Symptome. Darum gehört der Blick aufs Manometer am Ende immer dazu.

Bei mir zu Hause hat sich der Herbst als Zeitpunkt bewährt, bevor die Heizperiode richtig losgeht. Dann merkst du rechtzeitig, welcher Heizkörper zickt, und nicht erst an einem Januarabend mit Wollsocken an den Füßen.

Das brauchst du zum Heizkörper entlüften

  • einen Entlüftungsschlüssel mit Vierkant (manche Ventile haben einen Schlitz, dann reicht ein Schraubendreher)
  • einen Becher oder ein kleines Glas für das Wasser
  • einen alten Lappen oder ein Handtuch für den Boden
  • eventuell Handschuhe, weil das austretende Wasser warm sein kann
  • bei einer eigenen Anlage: Zugang zum Manometer und die Bedienungsanleitung

Das Entlüftungsventil sitzt oben am Heizkörper, meist an der Seite gegenüber dem Thermostat. Ein kleiner Knubbel mit einem Vierkant in der Mitte, leicht zu übersehen. Wer seinen Heizkörper verkleiden wollte oder schon verkleidet hat, sollte eine Klappe oder abnehmbare Front an dieser Stelle einplanen, sonst wird jedes Entlüften zur kleinen Demontage. Entlüftungsschlüssel kosten im Baumarkt in der Regel nur 1 bis 3 Euro. Kauf am besten zwei, einer verschwindet erfahrungsgemäß in irgendeiner Schublade.

Heizung entlüften Schritt für Schritt

1. Alle Thermostate voll aufdrehen

Dreh die Thermostate aller Heizkörper auf die höchste Stufe und lass die Heizung eine Weile laufen. So sind die Ventile offen, und die Luft wird bis in die Heizkörper geschoben, wo du sie erwischen kannst.

2. Umwälzpumpe ausschalten und warten

Bei einer eigenen Anlage schaltest du die Heizung oder die Umwälzpumpe am Regler aus. Dann wartest du etwa 30 bis 60 Minuten. In dieser Zeit sammelt sich die Luft oben im Heizkörper, und das Wasser kühlt etwas ab. In der Mietwohnung mit Zentralheizung kommst du an die Pumpe meist nicht heran. Entlüften geht trotzdem, das Wasser kommt dann nur schneller und mit etwas mehr Druck. Also Becher bereithalten.

3. Mit dem richtigen Heizkörper anfangen

Im Haus arbeitest du dich in der Regel von unten nach oben vor, weil Luft nach oben wandert. Auf einer Etage beginnst du meist mit dem Heizkörper, der am nächsten am Heizkessel liegt. Manche Hersteller empfehlen eine andere Reihenfolge; im Zweifel gilt die Anleitung deiner Anlage.

4. Ventil langsam öffnen

Leg den Lappen unter das Ventil, halte den Becher darunter und dreh den Schlüssel gegen den Uhrzeigersinn, etwa eine Viertel- bis halbe Umdrehung. Dann zischt es. Ein dünnes, fast empörtes Geräusch, das ist die Luft. Dreh das Ventil nie ganz heraus, sonst hast du plötzlich ein kleines Teil in der Hand und Wasser auf dem Boden.

5. Schließen, sobald Wasser kommt

Wenn statt Luft gleichmäßig Wasser ohne Blasen kommt, schließt du das Ventil im Uhrzeigersinn. Handfest reicht, mit Kraft beschädigst du nur die Dichtung. Das Wasser ist oft dunkel und riecht leicht metallisch, das ist normal und kein Grund zur Sorge.

6. Wasserdruck am Manometer prüfen

Durch das Entlüften verliert die Anlage etwas Wasser und damit Druck. Im Einfamilienhaus liegt der Druck in der Regel zwischen 1,5 und 2 bar, je nach Anlage und Gebäudehöhe. Oft ist der passende Bereich auf dem Manometer grün markiert. Ist er zu niedrig, füllst du Wasser nach Bedienungsanleitung nach. In der Mietwohnung mit Zentralheizung ist das Nachfüllen Sache des Vermieters oder des Hausmeisters, da drehst du bitte an keinem Hahn im Keller.

7. Heizung wieder einschalten

Schalte die Pumpe wieder ein und stell die Thermostate auf deine normale Stufe. Nach etwa einer Stunde fühlst du nach, ob die Heizkörper oben und unten gleichmäßig warm werden. Meistens ist es dann einfach still. Herrlich still, eigentlich.

Heizung entlüften: Wie lange dauert das?

Pro Heizkörper brauchst du ein bis drei Minuten. Die meiste Zeit geht für das Warten nach dem Ausschalten der Pumpe drauf. Für eine Wohnung mit fünf Heizkörpern solltest du insgesamt etwa eine bis eineinhalb Stunden einplanen, im Haus mit Nachfüllen eher zwei. Wenn du also fragst, wie lange Heizung entlüften dauert: kürzer als ein Spielfilm, aber länger als ein Kaffee.

Und wie oft? Einmal im Jahr vor der Heizperiode reicht in den meisten Wohnungen. Nach Arbeiten an der Anlage, nach einem Heizkörpertausch oder wenn es plötzlich wieder gluckert, darfst du ruhig zwischendurch noch einmal ran.

Damit die Wärme nicht gleich wieder verpufft, lüftest du am besten kurz und kräftig statt mit Fenster auf Kipp, das Prinzip vom Stoßlüften im Winter passt hier genau. Und damit die Wärme auch im Zimmer bleibt, helfen kleine Änderungen für warme Räume, etwa Vorhänge, die nicht über dem Heizkörper hängen, wo sie die Wärme hinter sich festhalten würden.

Wenn es nicht klappt

Manchmal bleibt ein Heizkörper auch nach dem Entlüften stur kalt. Dann geh diese kurze Liste durch:

  • Es gluckert weiter: Nach dem Nachfüllen kommt oft neue Luft ins System. Entlüfte nach ein bis zwei Tagen noch einmal.
  • Der Heizkörper bleibt ganz kalt: Häufig klemmt der Ventilstift unter dem Thermostatkopf. Nimm den Kopf ab (meist eine Überwurfmutter oder ein Clip) und drück den Stift vorsichtig ein paar Mal hinein. Er sollte von selbst wieder herauskommen.
  • Oben im Haus bleibt es kalt: Der Druck ist zu niedrig, oder die Anlage ist nicht hydraulisch abgeglichen. Das ist ein Fall für einen Fachbetrieb.
  • Du musst ständig entlüften: Dann gelangt irgendwo Luft hinein, zum Beispiel wegen eines defekten Ausdehnungsgefäßes. Auch das sollte sich ein Fachbetrieb ansehen.
  • Das Ventil tropft: Vorsichtig nachziehen, nicht mit Gewalt. Tropft es weiter, informierst du Vermieter oder Fachbetrieb.

Meistens ist es aber genau so unspektakulär, wie es klingt: ein Zischen, ein paar dunkle Tropfen im Becher, dann Ruhe. Und wenn du abends die Hand auf den Heizkörper legst und er bis ganz oben warm ist, merkst du erst, wie sehr dich dieses leise Gluckern eigentlich gestört hat.

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