Wer den Heizkörper verkleiden will, hat fast immer dasselbe Bild im Kopf: eine ruhige Fläche unter dem Fenster statt weißer Rippen. Das geht auch, solange kühle Luft unten nachströmt, warme Luft oben abzieht und das Thermostatventil frei bleibt. Wird die Verkleidung dicht, kostet sie Leistung, je nach Ausführung ein paar Prozent bis deutlich über 10 Prozent.
Hier stehen Ideen aus Holz, Lochblech und Sitzbank, dazu die Maße, Abstände und Öffnungen, mit denen die Wärme im Zimmer bleibt statt im Kasten. Und ja, das alles funktioniert auch in einer Mietwohnung, ohne dass irgendjemand am Heizkörper schraubt.
- Was passiert im Raum, wenn du den Heizkörper verkleidest?
- Heizkörper verkleiden ohne Wärmeverlust: die Luft muss laufen
- Welche Nachteile hat eine Heizkörperverkleidung?
- Ideen aus Holz: Lamellen, Gitter und offene Fronten
- Die Sitzbank am Fenster und andere Möbelideen
- Heizkörper verkleiden als DIY-Projekt: Maße, Material, Werkzeug
Was passiert im Raum, wenn du den Heizkörper verkleidest?
Der Raum bekommt eine Linie. Ein Kompaktheizkörper unter dem Fenster ist rund 60 Zentimeter hoch, weiß, mit sichtbaren Ventilen und dieser Staubkante oben, die man erst sieht, wenn im Februar die Sonne flach hereinkommt. Genau dann fällt einem auf, dass da ein Gerät an der Wand hängt und kein Möbelstück. Eine Verkleidung nimmt diese Unruhe raus. Aus dem Gerät wird eine Bank, eine Ablage oder einfach eine Fläche in Wandfarbe, an der das Auge vorbeiläuft.
Dazu kommt Platz, den man vorher nicht hatte. Eine Deckplatte mit 25 Zentimetern Tiefe trägt Bücher, eine kleine Lampe, zwei Töpfe Efeutute. Im Altbau mit tiefer Fensternische wächst die Verkleidung optisch mit der Fensterbank zusammen, und plötzlich sieht die Nische aus, als wäre sie so gebaut worden. Solche Eingriffe gehören zu den Dingen, die für warme Räume ohne viel Aufwand sorgen, weil sie kaum Geld kosten und trotzdem den ganzen Raumeindruck verschieben. Der Heizkörper selbst bleibt, wo er ist. Er verschwindet nur aus dem Blick.
Heizkörper verkleiden ohne Wärmeverlust: die Luft muss laufen
Einen Heizkörper verkleiden ohne Wärmeverlust heißt vor allem: unten offen, oben offen, vorne durchlässig. Ein Heizkörper gibt gut zwei Drittel seiner Wärme über Konvektion ab. Kühle Luft zieht unten in die Rippen, wird warm, steigt auf, geht oben wieder raus. Ein bisschen wie der Zug in einem Kamin, nur leiser. Dieser Kreislauf muss durch die Verkleidung hindurch weiterlaufen, sonst steht die Wärme in einer Holzkiste und wärmt vor allem die Holzkiste.
Die Maße, an denen das hängt:
- Unten eine durchgehende Öffnung über die volle Breite, mindestens 5 Zentimeter hoch, lieber 8.
- Oben ein Schlitz von mindestens 5 Zentimetern oder eine Deckplatte, die 3 Zentimeter vor der Wand endet.
- Vorne 40 bis 50 Prozent offene Fläche: Lochblech, Streckmetall oder Lamellen.
- Seitlich und hinten 3 bis 5 Zentimeter Luft zwischen Heizkörper und Verkleidung.
- Das Thermostatventil bleibt außerhalb der Verkleidung, ohne Ausnahme.
Der letzte Punkt ist der, den fast alle übersehen. Ein Thermostatkopf misst die Lufttemperatur genau dort, wo er sitzt, mehr kann er nicht. Steckt er in einem geschlossenen Kasten, misst er die eingesperrte Wärme, hält 22 Grad für erreicht und regelt ab, während du im Zimmer bei 18 Grad frierst und dich fragst, warum die Heizung kalt ist. Falls sich der Kopf nicht aussparen lässt, gibt es Thermostate mit Fernfühler: ein Kapillarrohr von etwa 2 Metern, der Fühler sitzt außen an der Verkleidung. Kostenpunkt 25 bis 60 Euro, und getauscht wird nur der Kopf, nicht die Anlage.
Mit offenen Flächen und freiem Ventil landest du bei ungefähr 2 bis 5 Prozent Verlust. Das merkt niemand. Ein geschlossener Schrank mit dekorativer Front und ohne Zuluft unten liegt deutlich höher, über 10 Prozent sind da schnell erreicht, weil die Konvektion praktisch stillsteht. Das merkst du dann schon, spätestens auf der Abrechnung.
Welche Nachteile hat eine Heizkörperverkleidung?
Putzen wird umständlicher, und Staub zwischen den Rippen kostet Leistung. Eine Front, die man nicht abnehmen kann, ist nach zwei Wintern eine Staubfalle mit Deckel. Plane also lieber eine Front zum Aushängen, mit Magnetschnappern oder einfach aufgesetzt auf zwei Leisten. Das ist der Unterschied zwischen einem Möbel und einem Ärgernis.

- Der Heizkostenverteiler muss ablesbar bleiben, sonst wird dein Verbrauch geschätzt.
- MDF quillt, sobald es feucht wird. In Bad und Küche lieber Multiplex oder lackiertes Massivholz.
- Die neue Ablage füllt sich von allein mit Post, Schlüsseln und einer Socke. Naturgesetz.
- Nasse Wäsche auf der Deckplatte bringt Feuchte an die kälteste Wand des Raumes.
- Eine Sitzbank darf nie auf dem Heizkörper aufliegen, die Last gehört auf die Seitenwangen.
In der Mietwohnung gilt außerdem eine einfache Grenze: An der Heizungsanlage selbst wird nichts verändert. Eine freistehende Verkleidung ist völlig unproblematisch, zwei Winkel in der Wand auch, Bohrlöcher verschließt du beim Auszug. Ein kurzer Satz an die Hausverwaltung vorher spart die Diskussion nachher, glaube ich zumindest.
Ideen aus Holz: Lamellen, Gitter und offene Fronten
Holz ist für diese Aufgabe das dankbarste Material, weil man es sägen, ölen und in jeder beliebigen Farbe streichen kann. Eine Lamellenfront aus Rechteckleisten, 20 mal 40 Millimeter, mit 30 Millimetern Abstand montiert, kommt auf gut 40 Prozent offene Fläche. Von vorn sieht man Streifen, von der Seite eine geschlossene Wand. Dieser Effekt macht Lamellen so beliebt, und er ist billiger zu haben, als er aussieht.
Bewährt haben sich Multiplex Birke in 15 bis 18 Millimetern, Fichten-Leimholz in 18 Millimetern und lackiertes MDF in 16 bis 19 Millimetern. Lass die Platten ein, zwei Wochen im Zimmer liegen, bevor du sägst, sonst arbeitet das Holz später in der trockenen Heizungsluft und die Front wirft sich. Wer im Wohnzimmer sowieso auf natürliche Materialien setzt, bekommt hier eine Fläche dazu, die zu Eiche, Leinen und Wolle passt, ohne dass es nach Konzept riecht. Ein Wasserlack riecht übrigens deutlich weniger als Kunstharz und ist nach 24 Stunden geruchlich erledigt.
Die zweite Richtung ist Metall. Lochblech oder Streckmetall in einen schmalen Holzrahmen gesetzt, schwarz pulverbeschichtet wirkt technisch, Messing warm und ein bisschen altmodisch (im guten Sinn). Streckmetall mit 40 Prozent offener Fläche kostet je Quadratmeter etwa 25 bis 50 Euro und lässt sich mit einer Blechschere schneiden. Nur die Kanten: Handschuhe, wirklich.
Die Sitzbank am Fenster und andere Möbelideen
Aus einem Heizkörper unter dem Fenster wird mit wenig Aufwand ein Sitzplatz, und das ist vermutlich die schönste Variante von allen. Sitzhöhe 42 bis 45 Zentimeter, Tiefe 35 bis 40, die Auflage trägt sich am besten aus 27 Millimeter starkem Leimholz. Die Last läuft über zwei Seitenwangen bis auf den Boden. Der Heizkörper trägt nichts, nie.

Damit die Wärme unter der Sitzfläche wegkann, bleibt die Rückseite offen und die Platte endet 3 Zentimeter vor der Wand. Ein Kissen von 6 Zentimetern reicht völlig. Dickere Polster liegen wie eine Bettdecke auf dem Heizkörper, und dann sitzt es sich zwar herrlich, aber das Zimmer bleibt kühl.
Weitere Möbelideen für dieselbe Wand: Regalwangen seitlich für Bücher, eine durchgehende Ablage von Laibung zu Laibung, oder eine Verkleidung in exakt der Wandfarbe, die im Streiflicht einfach verschwindet. Wie stark so eine Fläche wirkt, hängt am Ende an den Farb- und Lichtkonzepten im Raum, an der Wandfarbe also und daran, wo abends die Lampen stehen. Eine Leselampe über der Bank macht aus der Ecke einen Platz, an dem tatsächlich jemand sitzen will.
Heizkörper verkleiden als DIY-Projekt: Maße, Material, Werkzeug
Einen Heizkörper verkleiden kannst du als DIY-Projekt an einem Samstag, vorausgesetzt, die Maße stimmen vorher. Miss die Breite und rechne 8 Zentimeter dazu, miss die Höhe bis Oberkante und rechne 5 dazu, miss die Tiefe und rechne ebenfalls 5 dazu. Alte Gussrippen im Altbau kommen auf 180 bis 220 Millimeter Tiefe, moderne Kompaktheizkörper auf 100 bis 160. Einmal falsch gemessen und die Front steht schief vor der Wand, das passiert schneller, als man denkt.
Das brauchst du:
- Zollstock, Bleistift, Winkel
- Stichsäge oder Handkreissäge mit Führungsschiene
- Akkuschrauber, Holzdübel oder Winkelverbinder
- Schleifpapier in 120er und 180er Körnung
- Wasserlack oder Hartwachsöl, Pinsel und Rolle
- Filzgleiter für den Boden
Für eine Verkleidung von 120 Zentimetern Breite rechne mit 60 bis 150 Euro Material: Leimholz 30 bis 60 Euro, Lochblech 25 bis 50, Lack 15 bis 25. Fertige Verkleidungen liegen je nach Größe zwischen 60 und 250 Euro. Wer sich an Holzmöbel selbst bauen herantraut, findet hier ein gutes erstes Stück, weil die Verbindungen simpel sind und kleine Ungenauigkeiten hinter der Front verschwinden. Denk an die Ruhezeiten: zwischen 13 und 15 Uhr, ab 20 Uhr und sonntags bleibt die Säge aus.
Eine Sache noch, die wenig kostet und viel bringt: eine Lage Alu-Dämmfolie hinter dem Heizkörper an der Außenwand, 3 bis 5 Millimeter stark. Die Folie wirft die Strahlungswärme zurück in den Raum, statt die kalte Wand aufzuheizen, und liegt bei 10 bis 20 Euro pro Heizkörper. Zuschneiden, hinterschieben, fertig.
Wenn die Front am Ende sitzt und du im Winter die Hand über den oberen Schlitz hältst und da warme Luft herauskommt, ist alles richtig gelaufen. Für weitere Ideen rund um dein Wohnzimmer lohnt der Blick auf die Wand direkt daneben, denn eine ruhige Fläche unter dem Fenster verändert, wie der ganze Rest des Zimmers wirkt. Und irgendwann im nächsten Februar fällt dir auf, dass du gar nicht mehr hinschaust.

