Blick durch die Backofenscheibe auf eine Auflaufform mit Kartoffeln

Backofen reinigen mit Hausmitteln: vier Methoden im Praxistest

Die Ofentür ging auf, und mir kam ein Geruch entgegen, der irgendwo zwischen verbranntem Zucker und altem Käse lag. Das war der Moment, in dem ich beschlossen habe, meinen Backofen mit Hausmitteln zu reinigen, und zwar als gründlichen Test: vier Methoden, nacheinander, mit ehrlichem Ergebnis.

Mein Ofen ist ein ganz gewöhnliches Einbaugerät mit Email-Innenraum, gut zehn Jahre alt, ohne Pyrolyse. Hinter ihm lag ein Winter mit Aufläufen, Tiefkühlpizza und einem Kirschkuchen, der übergelaufen ist (den Fleck am Boden konnte man fast als Landkarte lesen). Fettspritzer an den Seiten, braune Krusten unten, und durch die Scheibe sah man den Kuchen eigentlich nur noch als Ahnung.

Ein paar Regeln galten bei jedem Versuch. Der Ofen ist aus und kalt, oder höchstens lauwarm, wenn die Methode das so will. Bleche und Roste kommen vorher raus. Heizstäbe, Lüftergitter, Türdichtung und katalytisch beschichtete Flächen bekommen keine Paste ab. Und Stahlwolle oder harte Scheuerschwämme bleiben im Schrank, weil sie Email und beschichtete Scheiben dauerhaft zerkratzen. Das sieht man später bei jedem Backen.

Zitronenwasser dampfen: der sanfte Anfang

Ich habe mit dem freundlichsten Hausmittel angefangen. Eine ofenfeste Form, ungefähr ein halber Liter Wasser, der Saft von zwei Zitronen, die ausgepressten Hälften gleich mit hinein. Ofen auf 150 Grad Ober- und Unterhitze, 30 Minuten. Danach ausgeschaltet, Tür einen Spalt geöffnet und gewartet, bis ich die Wände mit einem feuchten Tuch berühren konnte, ohne mir die Finger zu verbrennen.

Die Küche roch, das muss ich zugeben, herrlich. Ein bisschen nach Zitronenkuchen. Der Dampf hatte die frischen Fettspritzer an den Seitenwänden und an der Decke angeweicht, die gingen mit einem Mikrofasertuch fast von allein ab. Die Krusten am Boden? Völlig unbeeindruckt. Mein Urteil: schön für die Pflege zwischendurch, für einen Ofen in meinem Zustand zu sanft.

Salz auf frische Flecken

Salz als Hausmittel löst keine alten Krusten, es ist eher eine Methode für den Moment selbst. Getestet habe ich es beim nächsten Auflauf, als Käse über den Rand lief und auf den Ofenboden tropfte. Kaum war der Ofen aus, habe ich mit Ofenhandschuhen eine dünne Schicht Speisesalz auf den noch heißen Fleck gestreut und dann alles in Ruhe abkühlen lassen.

Das Salz zieht das flüssige Fett auf und wird mit ihm zu einer trockenen, krümeligen Kruste. Am Morgen ließ sie sich mit einem Holzspatel und einem feuchten Tuch einfach abheben. Wasser kommt dabei übrigens nicht auf heiße Flächen, Email kann durch den Temperatursprung Spannungsrisse bekommen. Mein Urteil: verblüffend gut, aber eben nur bei frischen Flecken. Am alten Kirschkuchen hat sich das Salz die Zähne ausgebissen.

Backofen reinigen mit Natron über Nacht

Für den dritten Versuch habe ich den Backofen mit Natron gereinigt, über Nacht. Vier Esslöffel Natron, dazu so viel Wasser, bis eine streichfähige Paste entsteht, etwa wie Zahnpasta. Mit Gummihandschuhen und einem alten Pinsel habe ich sie auf Boden, Seitenwände und Rückwand verteilt, auf die Krusten etwas dicker. Heizstäbe, Lüftergitter und Dichtung blieben frei.

Am nächsten Morgen, nach rund zehn Stunden, war die Paste angetrocknet und bräunlich geworden, als hätte sie den Schmutz in sich aufgesogen (was sie ja auch ein bisschen getan hat). Mit einem feuchten Schwamm und einem Kunststoffschaber ging sie ab, und die meisten Krusten kamen mit. Für die weißen Schlieren habe ich eine Sprühflasche mit Wasser und einem Schuss Essig genommen. Wo Essig auf Natron trifft, schäumt es kurz, das lockert die letzten Reste. (Dasselbe Duo hilft mir übrigens auch, wenn die Spülmaschine stinkt.) Dann zweimal mit klarem Wasser nachwischen und den Ofen bei offener Tür trocknen lassen.

So hat das Reinigen ohne Chemie bei mir am besten funktioniert. Natron ist mild alkalisch, löst Fett und greift Email nicht an. Ein paar schwarze, uralte Punkte sind geblieben, ehrlich gesagt. Aber der Ofen sah wieder aus wie ein Ofen, in den man gern einen Kuchen schiebt. Mein Urteil: klarer Gewinner, kostet ungefähr einen Euro und verlangt vor allem Geduld.

Der Spülmaschinentab: nur mit Vorsicht

Der Spülmaschinentab geistert als Geheimtipp unter den Hausmitteln durchs Netz, also wollte ich ihn auch sehen. Einen Tab habe ich in einer ofenfesten Schale mit etwa 300 Millilitern heißem Wasser aufgelöst, die Schale bei 100 Grad 30 Minuten in den Ofen gestellt, danach die Lauge mit Handschuhen und Schwamm auf die schmutzigen Stellen gegeben und eine Stunde wirken lassen.

Die Wirkung war deutlich, ähnlich wie bei Natron, nur schneller. Aber Tabs sind stark alkalisch und enthalten oft Bleichmittel, das ist kein harmloses Hausmittel mehr. Also: Handschuhe an, Fenster auf, nicht mit Essig oder anderen Reinigern mischen, nicht auf Aluminium oder beschichtete Flächen. Und danach mehrmals mit klarem Wasser nachwischen, damit beim nächsten Backen keine Reste mitbacken. Bei katalytisch beschichteten Rückwänden lasse ich es ganz, und manche Hersteller raten in der Anleitung generell davon ab. Mein Urteil: wirkt, ja. Regelmäßig würde ich es trotzdem nicht machen.

Backofenscheibe reinigen: Tür auf, Glas einzeln

Vor dem Reinigen der Backofenscheibe hatte ich ehrlich gesagt den meisten Respekt. Bei vielen Öfen lässt sich die Tür aushängen und die innere Scheibe herausnehmen, wie genau, steht in der Bedienungsanleitung. Meist sind es kleine Klemmen oder eine Leiste oben an der Tür. Ich habe die Tür auf ein Handtuch gelegt, die Scheiben einzeln herausgezogen und mir mit dem Handy fotografiert, wie herum sie saßen.

Zwischen den Scheiben lag eine Schicht aus Fett und Krümeln, an die man von außen nie herankommt. Die Gläser habe ich mit Natronpaste eingerieben, eine halbe Stunde gewartet und dann mit warmem Spülwasser abgewaschen. Einen Glasschaber habe ich nur flach angesetzt und nur auf nassem, unbeschichtetem Glas. Beschichtete Innenscheiben erkennst du oft an einem kleinen Aufdruck. Gut trocknen lassen, in der richtigen Reihenfolge wieder einsetzen, fertig. Und plötzlich sieht man wieder, wie der Kuchen aufgeht.

Meine Rangliste der Hausmittel zum Backofen reinigen

Wenn ich heute einen Backofen mit Hausmitteln reinigen müsste, ginge ich in dieser Reihenfolge vor:

  1. Natronpaste über Nacht: beste Wirkung, mild, günstig.
  2. Salz auf frische Flecken: verhindert, dass Krusten überhaupt entstehen.
  3. Spülmaschinentab: schnell, aber nur mit Schutz und nicht regelmäßig.
  4. Zitronenwasser: angenehm für die Pflege, gegen alte Krusten zu schwach.

Hat dein Ofen eine Pyrolyse-Funktion, kannst du dir das Schrubben weitgehend sparen. Dabei heizt er sich auf rund 500 Grad auf und verbrennt die Rückstände zu Asche. Je nach Gerät dauert das 1,5 bis 3 Stunden, Bleche und Roste müssen vorher raus (außer der Hersteller erlaubt es ausdrücklich), und Lüften ist eine gute Idee. Danach wischst du nur noch die Asche aus.

Und wenn du schon in Putzlaune bist, wartet vielleicht noch der vereiste Kühlschrank, und wer eine Arbeitsplatte aus Holz hat, kann sie nach dem Wischen gleich mit Öl pflegen. Mehr rund um die Küche sammelt sich hier auf dem Blog.

Gewonnen hat am Ende nicht das stärkste Mittel, sondern das geduldigste. Eine Schüssel Natron, eine Nacht Wartezeit, ein stiller Morgen mit Schwamm und Kaffee. Vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis aus diesem kleinen Test, und vielleicht riecht deine Küche ja am Wochenende auch wieder nach Kuchen statt nach Käse.

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