Wasser läuft aus dem Wasserhahn in den Abfluss eines Waschbeckens

Abfluss stinkt: Ursachen und Hausmittel, die wirklich helfen

Wenn der Abfluss stinkt, steckt fast nie eine Verstopfung dahinter, sondern zu wenig Wasser im Siphon oder ein weicher Belag aus Fett, Seife und Haaren an der Rohrwand. Beides bekommst du in einer halben Stunde in den Griff, sobald du weißt, welcher der beiden Fälle bei dir vorliegt. Hier stehen die typischen Ursachen, die Hausmittel mit echter Wirkung und der Punkt, ab dem sich der Anruf beim Fachbetrieb lohnt.

Bei mir kommt der Geruch in Wellen. Morgens, wenn ich verschlafen vor dem Waschbecken stehe, ist er da. Abends nicht. Im Juli deutlich stärker als im Januar. Das klingt nach Zufall, ist aber schon der erste Hinweis, denn Wärme beschleunigt zwei Dinge gleichzeitig: die Verdunstung im Geruchsverschluss und die Bakterien im Belag.

Warum stinkt der Abfluss überhaupt?

Ein Abfluss stinkt immer dann, wenn Kanalluft am Wasser im Siphon vorbeikommt oder wenn sich im Rohr ein Belag gebildet hat, in dem Bakterien Schwefelverbindungen freisetzen. Mehr Möglichkeiten gibt es eigentlich nicht. Der Siphon unter dem Becken ist ja nichts anderes als eine gebogene Wassertasche, so ähnlich wie das Wasser in der Toilettenschüssel: Solange die Säule steht, kommt von unten nichts nach oben.

Mindestens 50 Millimeter Wasser müssen laut Regelwerk in diesem Geruchsverschluss stehen. Genau diese Menge verdunstet in einem Gästebad, das drei Wochen niemand benutzt. Bei 22 Grad und trockener Heizungsluft geht es schneller, im Ferienhaus im August manchmal in zehn Tagen. Man kommt zurück, schließt die Tür auf, und der Flur riecht nach Keller.

Der zweite Grund sitzt weiter oben im Rohr, und den sieht niemand. Fett, Duschgel, Zahnpasta, Hautschuppen, Haare legen sich als weicher Film an die Wand, oberhalb der Wasserlinie. Feucht, warm, kaum Sauerstoff. Für Bakterien, die Sulfat abbauen und dabei Schwefelwasserstoff bilden, ist das ungefähr das, was für uns ein Sofa mit Decke ist. Dieser Belag wächst pro Jahr um einen bis zwei Millimeter, ohne dass das Wasser auch nur eine Sekunde langsamer abläuft.

Der Abfluss stinkt, ist aber nicht verstopft: woran liegt das?

Der Abfluss stinkt, das Wasser läuft trotzdem in normalem Tempo ab: Dann liegt es fast immer am Belag im Rohr oder an einem Geruchsverschluss, der leergesaugt wird. Verstopfung und Geruch sind zwei verschiedene Geschichten, sie treten nur gern zusammen auf.

Mit drei Handgriffen grenzt du die Sache ein:

  • Fünf Liter Wasser einlaufen lassen und zehn Minuten warten. Ist der Geruch weg und kommt nach zwei Tagen zurück, war der Siphon leer.
  • Beim Ablaufen auf ein Gluckern hören. Gluckert es, fehlt Luft im Fallrohr, und der Unterdruck zieht die Wassertasche einfach mit.
  • Mit dem Finger in den Überlauf des Waschbeckens fahren. Riecht der Abstrich streng, sitzt der Belag dort und nicht im Siphon.

Fehlt die Belüftung, hilft ein Rohrbelüfter für 15 bis 30 Euro zwischen Siphon und Wandanschluss. Der lässt Luft hinein, aber keine Kanalluft heraus. In Mehrfamilienhäusern gluckert es meistens genau dann, wenn eine Etage höher gespült wird (man lernt seine Nachbarn auf ungewöhnliche Weise kennen). Bevor du dich in Rohrtechnik vertiefst, schau die Anschlüsse auf feuchte Ränder an, denn undichte Stellen im Haus melden sich oft zuerst als Geruch. Ein Blatt Küchenpapier unter dem Siphon verrät dir das über Nacht.

Abfluss stinkt nach faulen Eiern: was steckt dahinter?

Wenn der Abfluss stinkt und der Geruch klar nach faulen Eiern geht, ist Schwefelwasserstoff im Spiel. Unsere Nase nimmt ihn in absurd kleinen Mengen wahr, ab etwa 0,005 Milligramm pro Kubikmeter Luft, weshalb schon ein Hauch davon eine ganze Wohnung ruiniert. Er entsteht überall dort, wo Wasser lange steht und kein Sauerstoff hinkommt.

Drei Orte kommen infrage. Der selten benutzte Bodenablauf im Keller oder in der Waschküche, dessen Wasservorlage längst ausgetrocknet ist. Der Überlauf am Waschbecken, in dem seit dem Einzug niemand war. Und, überraschend oft, der Warmwasserspeicher: Riecht nur das warme Wasser nach Ei, liegt es meist an der Magnesium-Opferanode, die mit bestimmten Bakterien reagiert. Eine Anode aus Fremdstrom oder Aluminium löst das Problem, der Austausch kostet zwischen 120 und 250 Euro.

Beim Bodenablauf reicht dagegen ein simpler Trick: ein Liter Wasser, ein Schuss Speiseöl obendrauf. Das Öl schwimmt und bremst die Verdunstung für Monate. Kostet fast nichts und fühlt sich trotzdem an wie eine kleine Erfindung.

Abfluss stinkt in der Dusche: Haare, Seife, flacher Siphon

In der Dusche hat der Geruch einen sehr mechanischen Grund: Duschrinnen und flache Bodenabläufe bauen nur 60 bis 90 Millimeter hoch, entsprechend knapp fällt die Wasservorlage aus. Dazu Haare, die sich im Sieb verhaken, und Seifenreste, die daraus einen grauen Filz kleben. Wer den einmal gesehen hat, vergisst ihn nicht so schnell.

Der Weg dahin ist kurz: Abdeckung abheben, Haarsieb heraus, den Einsatz des Geruchsverschlusses gegen den Uhrzeigersinn herausdrehen, alles in heißem Wasser mit einem Spritzer Spülmittel einweichen. Danach mit einer alten Zahnbürste die Innenwand auswischen, so weit der Arm reicht. Zehn Minuten, kein Werkzeug, und es riecht plötzlich nach nichts.

Ein Haarsieb aus Edelstahl für 3 bis 8 Euro erspart dir diese Runde in Zukunft. In einer begehbaren Dusche lohnt es sich doppelt, weil die Rinne breiter ist und mehr auffängt. Bleibt der muffige Ton trotz sauberem Ablauf, ist wahrscheinlich die Raumluft die eigentliche Quelle, denn in einem Bad ohne Fenster hängt Feuchtigkeit stundenlang in Handtüchern und Fugen. Ein Lüfter mit Nachlauf trennt die beiden Ursachen ziemlich zuverlässig voneinander.

Abfluss stinkt in der Küche: das Fett ist der Grund

In der Küche stinkt der Abfluss praktisch immer nach Fett. Speisefett wird bei ungefähr 25 Grad wieder fest, das heißt: Was du mit heißem Spülwasser wegschickst, kühlt zwei Meter weiter im kalten Rohr ab und bleibt kleben. Darauf setzen sich Speisereste, Kaffeepulver, die Stärke aus dem Nudelwasser. Eine Schicht auf der anderen, jahrelang.

Was den Unterschied macht:

  • Pfannen und Töpfe vor dem Spülen mit Küchenpapier auswischen, ausgekühltes Fett in den Restmüll.
  • Kaffeesatz nicht in den Ausguss kippen, er verklumpt mit Fett zu einer zähen Masse.
  • Einmal pro Woche zwei Esslöffel Waschsoda in einem Liter heißem Wasser nachschütten.
  • Den Spülmaschinenschlauch prüfen: Hängt er durch, steht dort Restwasser, und das kippt.

Welche Hausmittel helfen, wenn der Abfluss stinkt?

Am zuverlässigsten arbeitet Natron mit Essigessenz, dicht gefolgt von Waschsoda gegen Fett. Der Ablauf bleibt immer gleich:

  1. Restwasser aus dem Becken abziehen, damit die Mittel unverdünnt an den Belag kommen.
  2. Drei bis vier Esslöffel Natron in den Ablauf geben.
  3. 150 Milliliter Essigessenz nachgießen. Es schäumt und zischt, das ist reines Kohlendioxid.
  4. 30 Minuten einwirken lassen, den Überlauf dabei mit einem Lappen abdichten.
  5. Mit zwei Litern heißem Wasser nachspülen, etwa 60 bis 70 Grad. Kochendes Wasser mag kein Kunststoffrohr.
  6. Bei hartnäckigem Geruch nach zwei Tagen wiederholen.
Mittel Wirkt gegen Einwirkzeit Kosten
Natron und Essigessenz Belag, Geruch 30 Minuten unter 2 Euro
Waschsoda, heiß gelöst Fett im Küchenrohr 15 Minuten etwa 1 Euro
Spülmaschinentab Eiweiß, leichtes Fett 1 Stunde etwa 0,20 Euro
Enzymreiniger alten Biofilm über Nacht 6 bis 12 Euro
Chemischer Rohrreiniger wenig, greift Dichtungen an laut Aufdruck 4 bis 9 Euro

Cola löst übrigens keinen Belag, dafür ist sie viel zu dünn. Chemische Rohrreiniger mit Natriumhydroxid greifen Gummidichtungen und ältere Kunststoffrohre an, und sie machen den späteren Einsatz einer Spirale gefährlich, weil die Lauge unten im Rohr stehen bleibt. Wer die Abläufe ohnehin einmal im Jahr mitnimmt, hängt sie einfach an den Frühjahrsputz dran. Zwanzig Minuten pro Ablauf, mehr braucht es nicht.

Abfluss stinkt weiter: was tun und wann kommt der Fachbetrieb?

Riecht es nach zwei Behandlungen immer noch, nimm den Siphon ab. Eimer drunter, Überwurfmuttern von Hand oder mit der Rohrzange lösen, Tasse abnehmen, mit heißem Wasser und Bürste auswaschen, Dichtungen ansehen. Sind die Gummiringe hart oder rissig, tausch sie gleich mit. Ein kompletter Ersatzsiphon kostet 8 bis 20 Euro, der Einbau dauert eine Viertelstunde. Ehrlich gesagt ist das der Moment, in dem man sich ein bisschen fähig fühlt.

Zum Fachbetrieb greifst du, wenn mehrere Abläufe gleichzeitig riechen, wenn Wasser aus einem Bodenablauf drückt oder wenn der Geruch aus der Wand kommt statt aus dem Becken. Dann sitzt das Problem im Strang oder in einer defekten Rohrbelüftung, und dort endet die Reichweite von Natron. Ein Rohrreinigungsdienst berechnet 90 bis 150 Euro pro Stunde plus Anfahrt, eine Kamerabefahrung liegt bei 150 bis 300 Euro.

In der Mietwohnung gilt eine schlichte Faustregel: Ein Belag im eigenen Siphon geht auf dein Konto, ein Schaden im gemeinsamen Fallrohr auf das des Vermieters. Melde den Geruch schriftlich, mit Datum und kurzer Beschreibung, bevor du selbst jemanden beauftragst. Viele Mietverträge enthalten eine Kleinreparaturklausel bis 100 oder 120 Euro, alles darüber trägt der Vermieter.

Am Ende ist ein stinkender Abfluss selten ein Drama, sondern eine Frage von fünf Litern Wasser, einer Handvoll Natron und der Bereitschaft, einmal unter das Waschbecken zu schauen. Zweimal im Jahr genügt. Und du merkst es sofort, an dem Moment, in dem du morgens die Badtür öffnest und einfach nichts riechst.