Hand mit Bohrmaschine setzt ein Loch in eine Wand

Bohren in Fliesen: Checkliste, damit nichts springt

Bohren in Fliesen geht eigentlich nur dann schief, wenn der Bohrer wandert, die Drehzahl zu hoch läuft oder die Schlagfunktion mitrappelt. Mit dem passenden Bohrer, einem Streifen Krepp und etwas Ruhe in der Hand hält jede Fliese das aus. Diese Checkliste geht alle Punkte durch, von der Werkzeugwahl bis zum abgedichteten Loch in der Dusche.

Der Ablauf bleibt gleich, ob Handtuchhalter im Bad, Reling über der Arbeitsplatte oder Spiegel im Flur. Nur der Belag entscheidet über Werkzeug und Tempo. Und über den Puls, ehrlich gesagt.

Bohren in Fliesen: die Checkliste vor dem ersten Loch

Bohren in Fliesen fängt mit fünf Minuten Prüfen an, nicht mit der Bohrmaschine. Diese acht Punkte einmal durchgehen, dann kann eigentlich nicht mehr viel passieren.

Zollstock, Hammer und Werkzeug liegen auf gemusterten Fliesen
Erst messen, klopfen, abkleben. Die Maschine kommt zuletzt.
  • Leitungen geprüft, Leitungssucher über die Fläche geführt, Installationszonen im Kopf.
  • Abstand zur Kante mindestens 3 Zentimeter, lieber 5.
  • Die Stelle liegt nicht auf einem Fugenkreuz und nicht auf einer Hohlstelle.
  • Fliesenart bestimmt: Steingut, Steinzeug oder Feinsteinzeug.
  • Werkzeug passt zum Belag, Dübel passt zum Untergrund dahinter.
  • Schlagfunktion an der Maschine ausgeschaltet, wirklich ausgeschaltet.
  • Malerkrepp auf die Stelle geklebt, Markierung kommt aufs Krepp.
  • Schutzbrille auf, bei Feinsteinzeug zusätzlich eine Staubmaske, der feine Quarzstaub gehört nicht in die Lunge.
  • Bei Zweifeln über eine Leitung: Sicherung für den Raum raus, bevor du die Sprühflasche mit Wasser neben die netzbetriebene Maschine stellst.
  • Ruhezeiten bedacht: gesetzlich beginnt die Nachtruhe um 22 Uhr, die meisten Hausordnungen ziehen sie auf 20 Uhr vor und schieben eine Mittagsruhe zwischen 13 und 15 Uhr ein. Sonntags bleibt die Maschine liegen.

Der Klopftest bringt am meisten und kostet am wenigsten. Klopf mit dem Fingerknöchel über die Fläche und hör hin. Klingt es hell und satt, liegt die Fliese im vollen Kleberbett. Klingt es hohl, ist darunter Luft, und genau da bricht sie aus. Dann such dir einen Punkt zehn Zentimeter weiter, das tut keinem weh.

Zu den Installationszonen: Nach der gängigen Norm sind das keine dünnen Linien, sondern 30 Zentimeter breite Bahnen. Waagerecht liegen sie 15 bis 45 Zentimeter unter der Decke und 15 bis 45 Zentimeter über dem fertigen Fußboden, senkrecht 10 bis 30 Zentimeter neben Türen, Fenstern und Raumecken. Nur in Räumen mit Arbeitsflächen, also Küche und teilweise Bad, kommt eine weitere Bahn zwischen 100 und 130 Zentimetern dazu. Wer bei 20 Zentimetern über dem Boden ansetzt, sitzt also mitten drin und nicht darunter. Im Bad laufen Wasserleitungen zusätzlich fast immer senkrecht nach oben zur Armatur. Gebohrt wird am besten zwischen den Bahnen, und trotzdem gehst du vorher mit dem Leitungssucher über die Wand.

Bohren in Fliesen oder in die Fugen: was hält besser?

In der Fuge zu bohren ist schonender, in der Fliese hält es besser. Die Fuge ist weicher, der Bohrer rutscht nicht weg, und beim Auszug verschwindet das Loch mit etwas Fugenmasse, als wäre nie etwas gewesen. Nur führt eine 3 Millimeter schmale Fuge den Dübel schlecht. Das Loch wird leicht schief, die Fugenflanken bröseln, und am Ende sitzt der Dübel halb in der Luft. Für einen Handtuchhalter reicht das. Für einen Hängeschrank voller Teller reicht es nicht.

In der Fliese sitzt der Dübel gerade, die Last verteilt sich sauber auf den Untergrund, und du weißt, was du hast. Bei Mosaik liegt der Fall anders, weil auf zehn Zentimetern mehr Fuge liegt als Fläche und ein Loch fast zwangsläufig eine Kante erwischt. Wer Mosaikfliesen an der Wand hat, bohrt mittig durch ein einzelnes Steinchen und nimmt den kleinstmöglichen Durchmesser. Ein 6er Loch ist hier deutlich freundlicher als ein 8er.

Welcher Bohrer für welche Fliese?

Das hängt an der Härte von Glasur und Scherben, und die Unterschiede sind größer, als man denkt. Steingut, die klassische glasierte Wandfliese, ist vergleichsweise weich. Steinzeug ist dichter. Feinsteinzeug ist so hart, dass ein Hartmetallbohrer darauf in wenigen Sekunden stumpf wird und dann nur noch heiß dreht und quietscht.

Fliesenart Bohrer Drehzahl Kühlung
Steingut, Wandfliese Hartmetall-Speerbohrer 400 bis 600 U/min Feuchter Schwamm
Steinzeug, Bodenfliese Hartmetall oder Diamant 300 bis 500 U/min Wasser nachgeben
Feinsteinzeug Diamantbohrkrone 300 bis 800 U/min Wasser, laufend
Naturstein, Marmor Diamantbohrkrone 300 bis 600 U/min Wasser, laufend

Ein Set Fliesenbohrer in 5, 6 und 8 Millimetern kostet 10 bis 20 Euro. Eine Diamantbohrkrone in 6 oder 8 Millimetern liegt bei 15 bis 35 Euro und schafft mit sauberer Kühlung 20 bis 40 Löcher. Der Leitungssucher für 20 bis 60 Euro ist vermutlich die billigste Versicherung, die es beim Heimwerken gibt. Ich habe einmal ohne gebohrt. Einmal.

Checkliste beim Bohren: Schritt für Schritt durch die Fliese

  1. Malerkrepp aufkleben, zwei Streifen über Kreuz, Punkt darauf markieren.
  2. Maschine auf Rechtslauf, Schlag aus, niedrige Drehzahl einstellen.
  3. Den Bohrer leicht schräg ansetzen, die Glasur anritzen, dann aufrichten.
  4. Mit wenig Druck arbeiten und das Werkzeug schneiden lassen, statt zu drücken.
  5. Alle zehn Sekunden kühlen: Schwamm, Sprühflasche oder ein Knetring mit Wasser darin.
  6. Sobald der Belag durch ist, Maschine stoppen und den Bohrer wechseln.
  7. Für die Wand dahinter einen Steinbohrer nehmen, Schlagfunktion erst jetzt dazuschalten.
  8. Tiefe vorher markieren: Dübellänge plus 10 Millimeter, ein Ring Krepp am Schaft reicht.

Den Staub fängst du mit einer aufgeklebten Papiertüte unter dem Loch oder mit einem Staubsauger, den jemand danebenhält (dafür braucht es allerdings jemanden). Fliesenstaub ist unglaublich fein, setzt sich in die Fugen und bleibt dort grau sitzen, bis du ihn feucht auswischst.

Rechne für ein Loch in Feinsteinzeug mit 60 bis 120 Sekunden. Wer schneller ist, drückt zu fest. Das Geräusch verrät es: gleichmäßiges Schleifen ist gut, hohes Kreischen nicht.

Bohren in Fliesen in der Mietwohnung: was du beachten musst

Bohren in Fliesen ist in der Mietwohnung erlaubt, solange es im üblichen Rahmen bleibt. Ein Handtuchhalter, ein Spiegel, eine Duschstange gehören zum normalen Wohnen, darüber muss niemand diskutieren. Eine ganze Wand voller Löcher gehört nicht dazu, und beim Auszug schuldest du einen ordentlichen Zustand.

  • Zahl der Löcher klein halten und jede Position zweimal überlegen.
  • Löcher beim Auszug mit Reparaturspachtel oder Fugenmasse schließen.
  • Ersatzfliesen suchen, im Keller liegen erstaunlich oft noch welche vom Bau.
  • Bei größeren Eingriffen vorher kurz mit dem Vermieter sprechen.

Ohne Bohren geht übrigens mehr, als der Ruf vermuten lässt. Klebehaken tragen je nach System 3 bis 8 Kilogramm, Klemmstangen halten in der Duschnische auch nasse Handtücher, und wer Fußleisten anbringen will, kommt mit Montagekleber ebenfalls ohne einen einzigen Dübel aus. Fettfreier Untergrund ist dabei die halbe Miete, denn auf Silikonresten hält kein Kleber der Welt.

Nach dem Bohren: abdichten, dübeln, aufräumen

Im Nassbereich gehört in jedes Bohrloch Sanitärsilikon, bevor der Dübel hineingeht. Ohne diesen Schritt zieht Wasser hinter die Fliese, weicht das Kleberbett auf und arbeitet sich langsam in die Wand. Zu sehen ist davon zwei Jahre lang nichts, und dann löst sich plötzlich die Fliese daneben.

  1. Loch aussaugen, damit der Dübel nicht auf Staub sitzt.
  2. Silikon einspritzen, ungefähr halb voll.
  3. Dübel eindrehen oder eindrücken, bis er komplett hinter der Fliese sitzt.
  4. Überstehendes Silikon abwischen, Krepp abziehen, kurz freuen.

Der Dübel muss vollständig im Mauerwerk stecken und nicht im Kleberbett hängen. Bei 10 Millimetern Fliese plus 5 Millimetern Kleber und einem 30 Millimeter langen Dübel heißt das: 10 plus 5 plus 30 plus 10 Millimeter Reserve, also 55 Millimeter Bohrtiefe. Wer im Bad sowieso umbaut und eine begehbare Dusche selbst gestalten möchte, legt die Befestigungspunkte am besten schon vor dem Verfliesen fest. Dann sitzen Träger und Verstärkungen genau dort, wo später die Last hängt, und hinterher muss niemand mehr durch frisches Feinsteinzeug.

Was tun, wenn die Fliese doch springt?

Ein feiner Haarriss von der Bohrung zur Kante sieht schlimmer aus, als er ist. Solange die Fliese fest sitzt, füllst du den Riss mit Fliesen-Reparaturmasse oder farblich passendem Epoxidharz und ziehst ihn glatt ab. Nach dem Aushärten sieht man ihn aus einem Meter Abstand kaum noch. Aus zehn Zentimetern schon, aber wer schaut so genau hin.

Bricht dagegen ein Stück heraus oder klingt die Fliese danach hohl, muss sie raus. Fuge ausfräsen, den Scherben mittig anbohren, in Stücken herauslösen, Untergrund abziehen, neue Fliese ansetzen. Wer sich das nicht antun will, kann einen professionellen Fliesenleger holen, der für eine einzelne Fliese meist zwischen 80 und 200 Euro nimmt. Mit Trocknungszeit dauert so ein Austausch ungefähr zwei Tage.

Am Ende ist Bohren in Fliesen keine Frage von Mut, sondern von Tempo. Langsam anfangen, kühlen, das Werkzeug arbeiten lassen. Zwei Minuten später hast du ein sauberes Loch, und der Handtuchhalter hängt genau da, wo er hängen sollte. Das Krepp abzuziehen ist übrigens der schönste Moment daran.