Draußen knirscht der Frost, drinnen laufen kleine Wasserperlen die Scheibe hinunter, und trotzdem will man das Fenster eigentlich lieber zulassen. Richtig lüften im Winter heißt: kurz, weit offen und mehrmals am Tag, nicht stundenlang auf Kipp. Wie sich das über einen ganz normalen Tag verteilt, zeige ich dir hier, vom ersten Kaffee bis zum Licht aus.
Ein Haushalt gibt jeden Tag mehrere Liter Wasser an die Raumluft ab. Atmen, Kochen, Duschen, die Wäsche auf dem Ständer, die Monstera in der Ecke. Im Winter kühlt die Luft an Außenwänden und Scheiben ab, und genau dort schlägt sich die Feuchtigkeit nieder. Lüften tauscht feuchte Innenluft gegen trockene Außenluft. Klingt paradox an einem nebligen Januartag, stimmt aber: Kalte Luft kann kaum Wasser halten, auch wenn sie sich draußen klamm anfühlt.
Morgens nach dem Aufstehen: richtig lüften im Winter beginnt im Schlafzimmer
Nach einer Nacht ist die Luft im Schlafzimmer am feuchtesten. Zwei Menschen geben im Schlaf über Atem und Haut einiges an Wasser ab, und das sammelt sich in einem Raum, der meist kühler ist als der Rest der Wohnung. Die Luftfeuchtigkeit liegt morgens bei mir oft über 60 Prozent, manchmal deutlich darüber.
Öffne das Fenster ganz, und wenn es geht, zusätzlich eins auf der anderen Seite der Wohnung, die Türen dazwischen offen. Querlüften nennt man das, und es geht erstaunlich schnell: Man spürt richtig, wie der Luftzug durch den Flur zieht und die Vorhänge kurz flattern. Im Winter reichen beim Stoßlüften in der Regel fünf Minuten, beim Querlüften oft schon zwei bis vier.
Bevor du öffnest, dreh das Thermostat am Heizkörper zu. Sonst spürt der Thermostatkopf die kalte Luft, öffnet das Ventil voll, und du heizt ziemlich wörtlich zum Fenster hinaus. Wände, Boden und Möbel haben ihre Wärme in den paar Minuten kaum verloren, darum ist das Zimmer schnell wieder behaglich. (Das ist eigentlich der ganze Trick.) Morgens sieht das bei mir so aus:
- Thermostat auf das Sternchen oder die Null drehen.
- Bettdecke zurückschlagen, damit auch sie atmen kann.
- Fenster ganz öffnen, wenn möglich auch eins gegenüber, Türen dazwischen offen.
- Nach fünf Minuten (beim Querlüften zwei bis vier) schließen und die gewohnte Stufe wieder einstellen.
Nach dem Duschen: Stoßlüften, bevor der Spiegel trocken ist
Im Bad entsteht in zehn Minuten Duschen mehr Dampf, als man denkt. Lüfte direkt danach, und zwar mit geschlossener Badtür, damit die feuchte Wärme nicht in den kühleren Flur oder ins Schlafzimmer wandert.
Ein paar Handgriffe vorher sparen dem Fenster Arbeit:
- Fliesen und Duschwand mit dem Abzieher abziehen.
- Handtücher ausgebreitet aufhängen, nicht zusammengeknüllt über die Stange.
- Badtür zu, dann das Fenster fünf bis zehn Minuten weit auf.
Wer ein Bad ohne Fenster hat, überlässt das dem Lüfter, und der sollte nach dem Duschen ruhig noch eine Weile nachlaufen. Fünfzehn Minuten sind da kein Luxus.
Tagsüber: Fenster kippen im Winter oder lieber nicht?
Lieber nicht. Ein Fenster im Winter dauerhaft zu kippen, ist so ziemlich die ungünstigste Variante. Der Luftaustausch läuft langsam, nach gängigen Richtwerten braucht er auf Kipp eine halbe Stunde bis über eine Stunde. In dieser Zeit kühlt die Laibung rund ums Fenster stark aus, und die Wand darüber gleich mit. Genau dort kondensiert später die Feuchtigkeit, genau dort sieht man irgendwann die ersten grauen Punkte. Und die Heizung darunter arbeitet die ganze Zeit gegen die offene Fläche an.
Besser: drei bis vier Mal am Tag kurz und weit öffnen. Wer zu Hause arbeitet, lüftet ungefähr alle zwei bis drei Stunden, bei mir fällt das meistens mit dem nächsten Tee zusammen. Wer tagsüber weg ist, lüftet vor dem Gehen und gleich nach dem Heimkommen.
Trocknet Wäsche in der Wohnung oder stehen viele Zimmerpflanzen herum, darf es eine Runde mehr sein. Ein einfaches Hygrometer für etwa 10 bis 15 Euro zeigt dir ziemlich ehrlich, wann es nötig ist. Zwischen 40 und 60 Prozent gilt als angenehm, darüber wird es auf Dauer heikel.
Nach dem Kochen am Abend: Lüften bei Kälte, aber gezielt
Nudelwasser, Suppe, der Reis, der immer etwas zu lange dampft. Deckel auf den Topf, Dunstabzug an, Küchentür zu: So bleibt der Dampf da, wo er entsteht. Nach dem Essen öffnest du das Küchenfenster für etwa fünf Minuten ganz.

Lüften bei Kälte kostet ein bisschen Überwindung, gerade wenn es draußen minus drei Grad hat und der Wind pfeift. Aber genau dann lohnt es sich am meisten. Je kälter die Außenluft, desto mehr Feuchtigkeit nimmt sie auf, sobald sie sich drinnen erwärmt. Bei Frost ist die Lüftungszeit also kürzer als an einem milden Novemberabend, nicht länger.
Stoßlüften wie lange, wenn es nicht gerade friert? Die Tabelle zeigt gängige Richtwerte für ganz geöffnete Fenster, auch für Frühjahr und Herbst.
| Monate | Draußen etwa | Stoßlüften | Querlüften |
|---|---|---|---|
| Dezember bis Februar | unter 5 Grad | etwa 5 Minuten | 2 bis 4 Minuten |
| März und November | 5 bis 10 Grad | etwa 10 Minuten | etwa 5 Minuten |
| April und Oktober | 10 bis 15 Grad | etwa 15 Minuten | 5 bis 8 Minuten |
| Mai und September | 15 bis 20 Grad | etwa 20 Minuten | etwa 10 Minuten |
| Juni bis August | über 20 Grad | 25 bis 30 Minuten | 10 bis 15 Minuten |
Das sind Richtwerte, keine Stoppuhr-Regeln. Bei kräftigem Wind tauscht sich die Luft schneller aus, an einem windstillen Nebeltag etwas langsamer. Wenn die Scheiben nach dem Schließen klar bleiben und das Hygrometer unter 60 Prozent zeigt, hat es gereicht.
Noch etwas zu den Temperaturen: Lass bewohnte Räume nicht dauerhaft unter etwa 16 Grad fallen, kalte Wände ziehen Feuchtigkeit regelrecht an. Und rück Schränke an Außenwänden ein paar Zentimeter von der Wand ab, damit dahinter Luft zirkuliert. Solche kleinen Dinge rund um Inneneinrichtung machen im Winter mehr aus, als man glaubt. Fünf Zentimeter genügen oft schon.
Vor dem Schlafen: die letzte Runde
Bevor du ins Bett gehst, noch einmal fünf Minuten das Schlafzimmer lüften. Die Luft ist danach frisch und trocken, ein bisschen kühl an den Füßen vielleicht, und viele schlafen bei 16 bis 18 Grad ohnehin am besten.
Was ich mir abgewöhnt habe: die Tür zum warmen Wohnzimmer offen lassen, damit das Schlafzimmer „mitgeheizt“ wird. Die warme, feuchte Luft kühlt dort ab und gibt ihr Wasser an die kalten Wände ab, gern hinter dem Kleiderschrank an der Außenwand. Das ist die Ecke, in der sich Schimmel im Schlafzimmer oft zuerst zeigt, und zwar meistens dann, wenn man den Schrank zum ersten Mal seit Jahren verschiebt.
Schlafen bei gekipptem Fenster ist im Winter keine gute Idee, der Raum kühlt über Nacht stark aus. In einer Mietwohnung stehen im Mietvertrag manchmal Hinweise zum Heizen und Lüften. Wenn du unsicher bist, frag beim Vermieter nach, bevor sich ein Problem festsetzt.
Fünf Minuten am Morgen, fünf bis zehn nach dem Duschen, fünf nach dem Kochen, fünf vor dem Schlafen, und wer tagsüber zu Hause ist, lüftet zwischendurch noch ein- oder zweimal. Mehr verlangt richtig lüften im Winter meistens gar nicht. Probier es eine Woche lang aus und schau morgens auf die Fensterscheiben, bevor du die Vorhänge aufziehst. Ich glaube, du wirst den Unterschied sehen.

